Abos: So funktionieren sie + was du von großen Medienhäusern lernen kannst

 
Lennart Schneider im Creatorway Podcast
 


3 Dinge, die du von großen Medienhäusern über Abos lernen kannst

Abos sind ein bisschen der heilige Gral vieler Online-Businesses.

Statt jeden Monat aufs Neue etwas verkaufen zu müssen, bekommst du regelmäßig Geld aufs Konto. Planbare Umsätze, weniger Launch-Stress und idealerweise eine Community aus Menschen, die dauerhaft dabei bleiben wollen.

Klingt erstmal ziemlich gut, oder?

Allerdings gibt es bei Abo-Modellen eine Sache, die gerne unterschätzt wird: Du musst nicht nur Menschen davon überzeugen, bei dir zu kaufen...

... du musst ihnen auch dauerhaft einen Grund geben, zu bleiben!

Ein ziemlicher Unterschied.

Ich habe mich mit Lennart Schneider unterhalten, der sich seit Jahren mit Abo-Geschäftsmodellen beschäftigt und unter anderem mit großen Medienhäusern und Verlagen arbeitet. 

Ich fand besonders spannend, wie viel man als kleines Online-Business von den Strategien lernen kann, die beispielsweise bei der New York Times, Netflix oder großen Software-Unternehmen eingesetzt werden.

Denn auch wenn du vermutlich keine eigene Entwicklungsabteilung mit 50 Leuten hast (ich zumindest nicht), lassen sich einige der Prinzipien ziemlich gut auf kleinere Businesses übertragen.

Drei davon möchte ich dir heute zeigen.

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1. Der wichtigste Moment kommt direkt nach dem Kauf

Stell dir vor, jemand schließt gerade eine Membership bei dir ab.

Was passiert dann?

Vielleicht bekommt die Person eine automatische E-Mail mit ihren Zugangsdaten. Vielleicht landet sie in einem Mitgliederbereich mit 47 verschiedenen Kursen, einem riesigen Archiv und einer freundlichen Begrüßungsnachricht.

Und dann?

Tja. Dann muss sie sich erstmal selbst zurechtfinden.

Das klingt erstmal nicht besonders dramatisch. Schließlich hat die Person ja Zugang zu all den tollen Inhalten bekommen, für die sie bezahlt hat.

Das Problem: Gerade in der ersten Abo-Periode kündigen besonders viele Menschen wieder.

Und zwar, weil sie den eigentlichen Wert noch gar nicht erlebt haben - denn sie sind ja gerade erst dazugekommen und...

... haben dann einfach nicht sofort so recht "rein gefunden".

In der Abo-Welt gibt es dafür einen wichtigen Begriff: den Aha-Moment.

Das ist der Moment, in dem jemand zum ersten Mal denkt: „Wow, genau dafür habe ich bezahlt!“

Canva ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel. Wenn du dich dort anmeldest, wirst du nicht einfach vor eine leere Designoberfläche gesetzt und sollst selbst herausfinden, was du damit anfangen könntest.

Stattdessen bekommst du Vorlagen, Vorschläge und ziemlich einfache Möglichkeiten, direkt dein erstes Design zu erstellen.

(Alles übrigens ziemlich IN YOUR FACE, du kommst im Prinzip nicht drumherum.)

Im Idealfall hast du innerhalb weniger Minuten etwas produziert, das richtig gut aussieht.

Und plötzlich verstehst du, warum du Canva überhaupt brauchst. aha

Das gleiche Prinzip kannst du auf dein eigenes Business übertragen.

Wenn jemand deine Membership kauft, muss der erste Schritt nicht unbedingt sein, dass du sämtliche Inhalte vorstellst. Viel sinnvoller könnte es sein, die Person direkt zu einem ersten kleinen Erfolgserlebnis zu führen.

Das kann beispielsweise ein bestimmter Kurs sein, eine konkrete Übung, eine persönliche Empfehlung oder einfach eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl aus deinem Archiv.

Dafür brauchst du übrigens keine komplizierte Technik.

Vielleicht reicht schon eine gut gestaltete Seite direkt nach dem Kauf, auf der du die Person fragst, was sie gerade erreichen möchte, und ihr daraufhin drei passende Inhalte empfiehlst.

Das funktioniert übrigens auch bei kostenlosen Angeboten!

Wie oft hast du schon einen Newsletter abonniert und als erste E-Mail lediglich ein „Herzlich willkommen, schön, dass du dabei bist!“ bekommen?

(Ich hatte das zum Beispiel vor Kurzem aus Versehen bei meiner Warteliste-Anmeldung!)

Das ist eigentlich eine riesige verschenkte Chance. Denn genau in diesem Moment ist das Interesse besonders groß. Zwei Wochen später, wenn die erste reguläre Newsletter-Ausgabe kommt, hat die Person womöglich schon wieder vergessen, wer du überhaupt bist.

Die Frage für dein Business ist also: Was ist der erste Moment, in dem deine Kunden den tatsächlichen Wert deines Angebots erleben? Und wie kannst du dafür sorgen, dass sie möglichst schnell dort ankommen?

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2. Die Leute kommen vielleicht für etwas völlig anderes, als sie am Ende bleiben

Diesen Punkt fand ich besonders spannend, weil ich ihn selbst schon in meinen eigenen Angeboten beobachten konnte.

Als ich noch meine großen Online-Kurse angeboten habe, gab es Menschen, die diese teilweise über Jahre hinweg verlängert haben. Die Angebote hatten damit in gewisser Weise Membership-Charakter.

Und natürlich dachte ich erstmal, dass die Leute vor allem wegen der fachlichen Inhalte dabei waren.

Schließlich hatten sie ja einen Kurs gekauft, um etwas zu lernen! (dachte ich unbedarfterweise...)

Aber als ich angefangen habe, genauer nachzufragen, warum sie verlängern und was sie an dem Angebot besonders schätzen, kamen plötzlich ganz andere Antworten.

Da ging es um die anderen Teilnehmer. Um regelmäßige Inspiration. Um den kleinen Tritt in den Hintern, den man manchmal braucht. Um feste Termine, die dafür sorgen, dass man tatsächlich etwas umsetzt. Oder einfach darum, nicht alleine mit seinen Business-Herausforderungen zu sein.

Die Leute kamen wegen des Wissens. Aber sie blieben wegen sieben anderer Dinge.

Und genau das beobachten auch große Medienhäuser.

Ein besonders interessantes Beispiel ist die New York Times.

Man könnte ja denken, dass Menschen ein kostenpflichtiges Zeitungsabo abschließen, weil sie hochwertigen Journalismus lesen möchten. (ha) Und natürlich ist das ein wichtiger Grund.

Aber weißt du, was unglaublich viele Menschen dazu bringt, jeden Tag wieder auf die Website zurückzukommen?

Spiele!

Ja, ernsthaft.

Die New York Times hat inzwischen ein riesiges Angebot an Spielen wie Wordle, Spelling Bee und Kreuzworträtseln. Dazu kommen weitere Angebote wie Rezepte oder Sportberichterstattung.

Und diese verschiedenen Bestandteile erfüllen für die Abonnenten ganz unterschiedliche Bedürfnisse.

Vielleicht möchte jemand morgens informiert werden, abends ein Rezept fürs Abendessen suchen und zwischendurch sein tägliches Worträtsel lösen.

Das ist natürlich eine ziemlich andere Kundenbeziehung als bei einem Produkt, das man nur alle paar Wochen nutzt.

In der Produktentwicklung gibt es dazu das Konzept der Jobs to be Done.

Vereinfacht gesagt: Menschen kaufen keine Produkte, sondern suchen nach Lösungen für bestimmte Aufgaben oder Bedürfnisse.

Und je mehr relevante Bedürfnisse dein Angebot erfüllt, desto schwieriger wird es für deine Kunden, darauf zu verzichten.

Wobei das natürlich NICHT bedeutet, dass du jetzt wahllos immer neue Features in deine Membership packen solltest.

Ich sehe gerade bei Online-Unternehmern oft genug, dass sie versuchen, ihre Angebote immer umfangreicher zu machen, weil sie glauben, dass mehr Inhalte automatisch mehr Wert bedeuten.

Das ist aber nicht unbedingt der Fall.

Viel interessanter ist die Frage, welche Bedürfnisse deine Kunden tatsächlich haben - und welche davon du vielleicht bisher gar nicht auf dem Schirm hattest.

Ein Beispiel aus dem Online-Kurs-Bereich: Manche Anbieter haben festgestellt, dass ihre Kunden die regelmäßigen Inhalte eigentlich viel lieber unterwegs anhören möchten, statt sich Videos anzuschauen.

Also haben sie zusätzlich eine Audio-Version angeboten, die sich wie ein Podcast konsumieren lässt.

Und plötzlich wurden die Inhalte deutlich häufiger genutzt.

Deshalb finde ich es so wichtig, mit bestehenden Kunden zu sprechen. Nicht nur zu fragen, ob ihnen dein Produkt gefällt, sondern auch, wie und warum sie es tatsächlich nutzen.

Die Antworten können ziemlich überraschend sein.

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3. Ein Abo endet nicht mit der Kündigung

Wenn du dich mit klassischem Online-Marketing beschäftigst, kennst du vermutlich den berühmten Funnel.

Oben kommen Menschen rein, unten kaufen ein paar davon etwas. Und dann beginnt das Spiel von vorne.

Bei einem Abo-Geschäftsmodell funktioniert das allerdings etwas anders.

Denn der eigentliche Teil der Kundenbeziehung beginnt ja erst mit dem Kauf.

Du musst dafür sorgen, dass die Menschen dein Angebot nutzen, zufrieden bleiben und idealerweise verlängern. Gleichzeitig wirst du aber immer auch Kunden verlieren.

In der Abo-Welt nennt man das Churn, also die Abwanderung von Kunden.

Hier machen große Abo-Unternehmen etwas Interessantes: Sie betrachten die Kündigung nicht unbedingt als das endgültige Ende der Kundenbeziehung.

Das kennst du vielleicht selbst von Streamingdiensten.

Du abonnierst Netflix, schaust eine Serie, kündigst wieder und kommst sechs Monate später zurück, weil es eine neue Staffel gibt.

Und inzwischen haben viele Anbieter verstanden, dass dieses Verhalten völlig normal ist.

Es muss also gar nicht darum gehen, Menschen um jeden Preis dauerhaft im Abo zu halten.

Viel wichtiger kann sein, dass sie gerne wiederkommen. hello again!

Und dafür spielt die Erfahrung rund um die Kündigung eine ziemlich große Rolle.

Story time... 

Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen ich Adobe-Produkte abonniert hatte und zum Kündigen mit dem Kundenservice chatten musste. Teilweise musste ich sogar darauf bestehen, mit einem Manager zu sprechen, damit meine Kündigung endlich akzeptiert wurde.

Das war so ein furchtbarer Prozess, dass ich mir anschließend dreimalüberlegt habe, ob ich wirklich nochmal ein Adobe-Abo abschließen möchte.

Inzwischen funktioniert das zum Glück deutlich einfacher.

Aber das zeigt eben auch: Wer Menschen nicht gehen lassen will, sorgt womöglich dafür, dass sie nie wiederkommen.

(Ich sehe das übrigens auch an diesem Newsletter hier! Manchmal machen Leute ein Jahr Pause, aber dann abonnieren sie ihn wieder...)

Noch ein Punkt, den ich in diesem Zusammenhang wichtig finde, ist, wie man Bestandskunden behandelt.

Für mich persönlich immer voll das wichtige Thema.

Ich finde es nämlich übertrieben ärgerlich, wenn man irgendwo jahrelang treuer Kunde ist und dann feststellt, dass Neukunden plötzlich 80 Prozent Rabatt bekommen, während man selbst brav den vollen Preis bezahlt.

Bei meinen eigenen Angeboten hatte ich deshalb immer die Philosophie: Wer früher kauft, soll dadurch Vorteile haben.

Wenn jemand zum Beispiel zu einem bestimmten Preis eingestiegen ist, konnte diese Person den Preis bei einer Verlängerung behalten. Auch wenn das Angebot für Neukunden inzwischen teurer geworden war.

Ich glaube, dass man gerade als kleines Business mit solchen Dingen wahnsinnig viel Vertrauen aufbauen kann.

​

Okay, also das Fazit zu diesem Punkt: Du musst nicht jeden Kunden für immer halten. Aber du kannst dafür sorgen, dass Menschen gerne bei dir kaufen, gerne bleiben und auch gerne wiederkommen.

Das ist langfristig wertvoller als irgendein komplizierter Kündigungs-Funnel, mit dem man Menschen möglichst lange festhalten möchte. let it goo

​

Und noch ein Gedanke zum Schluss ...

Vielleicht hast du jetzt beim Lesen gedacht: Okay, das klingt ja alles ziemlich gut. Vielleicht sollte ich auch endlich ein Abo anbieten!

Da möchte ich allerdings noch eine kleine Warnung hinterherschicken.

Denn Abos sind zwar ein unglaublich spannendes Geschäftsmodell, aber eben auch eines der anspruchsvolleren.

​Hier kannst du alles zu "Memberships" im Speziellen lesen​

Du bekommst nicht einfach regelmäßig Geld aufs Konto, sondern ... (jetzt kommt der Downer!) du gehst auch gleichzeitig eine dauerhafte Verpflichtung ein.

Und das wird meiner Meinung nach gerade im Creator- und Online-Business-Bereich oft unterschätzt.

Wenn du beispielsweise eine Membership für 19 Euro im Monat startest und dann 30 zahlende Mitglieder gewinnst, hast du 570 Euro monatlichen Umsatz.

Dafür musst du aber ständig neue Inhalte erstellen, Fragen beantworten, deine Technik betreuen und dafür sorgen, dass deine Mitglieder zufrieden sind.

Herzlichen Glückwunsch, du hast dir gerade einen ziemlich schlecht bezahlten Dauerjob gebaut.

Das ist ja echt nicht der Sinn der Sache.

Ich würde deshalb niemals ein Abo-Modell starten, nur weil ich gerne wiederkehrende Umsätze hätte.

Viel wichtiger ist, dass das Produkt selbst funktioniert, dass du weißt, warum Menschen langfristig dafür bezahlen sollten, und dass die wirtschaftliche Rechnung auch tatsächlich aufgeht.

Denn wenn das der Fall ist, können Abos ein schniekes Geschäftsmodell sein.

Wenn nicht, hast du statt planbarer Umsätze vor allem planbare Verpflichtungen.

Und die wollen wir ja nun auch nicht unbedingt sammeln.


Hör jetzt die Podcastfolge dazu:

Regelmäßige Einnahmen, planbare Umsätze und weniger Abhängigkeit von einzelnen Launches oder Werbepartnern? Klingt ziemlich nice, oder? 😎

Lennart Schneider ist Experte für bezahlte Abos und Newsletter und beschäftigt sich intensiv damit, wie große Medienhäuser und Unternehmen wie Netflix, Spotify oder die New York Times ihre Abo-Modelle aufbauen und optimieren. 

In dieser Folge sprechen wir darüber, was du dir von den Großen abschauen kannst, ob ein Abo-Modell für dein eigenes Business sinnvoll ist und worauf du dabei unbedingt achten solltest.

Und das Coole: Du brauchst dafür weder ein riesiges Team noch die technischen Möglichkeiten eines Großverlags. Viele Strategien lassen sich auch mit einfachen Tools und einem kleinen Business umsetzen.

Aber unterschätze das Ganze nicht: Abo-Modelle sind ziemlich komplex und definitiv kein Selbstläufer!

Wie du ein Abo-Modell aufbaust, das nicht nur neue Kunden gewinnt, sondern sie auch langfristig bindet, hörst du in der neuen Creatorway-Folge! 🎧



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Von 1000 Ideen zu EINEM Masterplan: So entwickelst du deine Business-Strategie für 2027