Dein Business läuft. Und jetzt? 7 Businessphasen, die du kennen solltest

Mehr Umsatz. Mehr Kunden. Mehr Reichweite.

Das ist normalerweise das, worauf ganz viele Leute im Online-Business hinarbeiten. Manche fröhlich, manche verzweifelt. Aber immer sieht das Ziel sehr simpel aus: MEHR!

Aber was, wenn bloßes Wachstum gar nicht das ist, was dein Business als Nächstes braucht?

Stell dir vor, du hast dir über die letzten Jahre ein erfolgreiches Experten-Business aufgebaut. Du hast Angebote, die sich verkaufen, eine Zielgruppe, die dich kennt, und inzwischen weißt du ziemlich genau, wie du Kunden gewinnst.

Läuft also!

Nur dass du inzwischen vielleicht auch 17 verschiedene Hüte gleichzeitig trägst, gefühlt rund um die Uhr arbeitest und dein Business zu einem riesigen, komplexen Gebilde geworden ist.

Was wäre in dieser Situation wohl die beste Strategie?

Noch mehr Leads? Mehr Angebote? Den Umsatz verdoppeln?

Vielleicht würde genau das deine Probleme sogar noch größer machen.

Und damit willkommen bei einem Thema, das mich gerade sehr beschäftigt: In welcher Businessphase befindest du dich eigentlich? Ist sie überhaupt angemessen und die richtige für dich - und was bedeutet das für deine Strategie?

Inhaltsverzeichnis:

    Darum geht es also hier in Teil 2 meiner dreiteiligen “Neue Era in deinem Business"-Serie.

    Die Gedanken dazu kannst du weiter unten ausführlich lesen. Aber wenn du lieber ein Video schauen willst, hier ist es:

    (Alles aus dem Video folgt hier auch als Text)

    Warum mehr Wachstum nicht automatisch die beste Strategie ist

    Ich arbeite inzwischen seit einiger Zeit mit fortgeschrittenen Onlineunternehmern, Experten und Creators zusammen.

    Und eine Beobachtung mache ich immer wieder: Viele denken bei der Frage nach dem nächsten großen Business-Schritt automatisch an Wachstum.

    Mehr Sichtbarkeit. Mehr Umsatz. Mehr Kunden. Mehr … alles!!

    Dabei ist das *nicht* unbedingt die richtige Antwort.

    Denn gerade wenn du dir ein sogenanntes Lifestyle-Business aufbaust - also ein Unternehmen, das dir ein gutes Leben ermöglicht -, gelten andere Regeln als beispielsweise bei einem Start-up, das möglichst schnell wachsen und irgendwann verkauft werden soll.

    Du spielst normalerweise ein viel langfristigeres Spiel. Und in einem Experten-Business bist du selbst oft ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells, also deine Expertise, deine Persönlichkeit. Und nicht zu vergessen: Deine Energie!

    Wenn du irgendwann überhaupt keine Lust mehr auf dein Business hast, ist das entsprechend problematisch. Dann geht quasi der Motor des ganzen Business kaputt. Das zu vermeiden sollte eine deiner Hauptziele sein (dazu mehr viel weiter unten im Artikel).

    Deshalb musst du bei deiner Strategie nicht nur überlegen, wie du wirtschaftlich möglichst viel erreichen kannst. Mindestens genauso wichtig ist auch, nachzudenken, welchen Preis du bereit bist, dafür zu bezahlen.

    Denn zwei Unternehmer können dieselben Umsatzzahlen haben und trotzdem völlig unterschiedliche strategische Entscheidungen treffen.

    Der eine will vielleicht … die Weltherrschaft. 😊

    Der andere möchte einfach ein gemütliches Business, das zuverlässig seine Rechnungen bezahlt und genügend Raum für andere Lebensbereiche lässt. (Vielleicht hast du ja schon seit Ewigkeiten diesen Keramikkurs im Auge oder willst lernen, klassische Musik zu komponieren…)

    Beide Zielsetzungen - das fette Business und der Lifestyle-Tagesjob in der Selbstständigkeit - sind auf jeden Fall vollkommen legitim! Aber manchmal kommt es einem bei LinkedIn, Instagram und Co. so vor, als wäre die Welt im Business sehr schwarz-weiß: Entweder maximal skalieren oder maximal chillen.

    Ich sehe das alles etwas differenzierter.

    Der große Switch: Von „Ich muss alles machen“ zu „Ich muss auswählen“

    Was sich meiner Meinung nach fundamental verändert, wenn du schon einige Jahre im Business bist: Am Anfang musst du erst einmal Möglichkeiten schaffen.

    Und ja, ich schreibe hier: “DU MUSST.” Alle Coaches werden mich an dieser Stelle etwas pikiert angucken, aber ich finde nicht, dass “du darfst” hier passt.

    Du musst dich bekannt machen, Angebote testen, Kunden gewinnen und herausfinden, was überhaupt funktioniert. (Sonst hast du nämlich kein Business.)

    Das ist normalerweise ziemlich viel Arbeit. Und meiner Erfahrung nach lässt sich diese Aufbauphase auch nicht komplett wegoptimieren à la work-life-balance. (Work-Life-Balance wird meist von Leuten gepredigt, die vergessen haben, dass sie die letzten sieben Jahre lang wie blöd gearbeitet haben, um da hinzukommen, wo sie sind.)

    Okay. Viel Arbeit am Anfang also.

    Dann …

    … hast du dir deine erfolgreiche Selbständigkeit aufgebaut und bist coole Online-Unternehmerin oder gefragter Experte.

    Was jetzt? Irgendwann kommt ein Punkt, an dem du *nicht* mehr zu allem Ja sagen solltest, nur weil du es könntest.

    Sondern ganz im Gegenteil. Du musst lernen, zu richtig guten Gelegenheiten Nein zu sagen. (Hier gibt es in meinem Podcast ein sehr gutes Case-Study-Interview dazu: Fokus, wenn du viele Möglichkeiten hast.)

    Das ist übrigens etwas, was ich dieses Jahr selbst ziemlich intensiv erlebt habe.

    Ich habe mehrere Anfragen und Möglichkeiten ausgeschlagen, bei denen ich vor ein paar Jahren vermutlich freudig in die Luft gehüpft (wuhuuu) und sofort begeistert zugesagt hätte.

    Aber dann ich so: NEIN. Fokus. Das passt gerade nicht in meine Ziele und in die Strategie, die ich festgelegt habe.

    Teilweise waren die Leute, denen ich abgesagt habe, selbst überrascht.

    Und ich stand danach da und dachte: “Moment mal. War das jetzt richtig clever und voll fortgeschritten oder mache ich hier gerade etwas unfassbar Dummes?” 😅

    Ich behaupte: Es war schlau! (Weil ich mir meine Strategie natürlich genau überlegt habe.)

    Aber der Punkt für dich ist an dieser Stelle: Nur weil etwas eine gute Gelegenheit ist, muss es noch lange keine gute Gelegenheit für deine aktuelle Strategie sein.

    Und genau deshalb finde ich es so wichtig, sich bewusst zu machen, in welcher Businessphase du dich eigentlich befindest.

    Hiermit kommen wir auch schon zu den konkreten Phasen, die zwar nicht abschließend sind, sich aber immer wieder beobachten und analysieren lassen:

    Die 7 Businessphasen für fortgeschrittene Onlineunternehmer

    Ich habe in den letzten Jahren immer wieder bestimmte Muster beobachtet, wenn ich mit fortgeschrittenen Selbstständigen und Unternehmern gearbeitet habe.

    Daraus lassen sich sieben typische Businessphasen ableiten.

    Wichtig: Das ist keine starre Entwicklungsleiter, die jeder der Reihe nach durchlaufen muss. Es geht eher um strategische Schwerpunkte.

    Du kannst auch mehrere dieser Ziele gleichzeitig verfolgen. Allerdings lassen sich nicht alle gleich gut miteinander kombinieren.

    Schauen wir sie uns mal an.

    1. Die Wachstumsphase: Mehr von dem, was funktioniert

    Das ist die klassische Businessphase, über die im Internet ständig gesprochen wird. Allerdings ist die Voraussetzung: Du hast ein funktionierendes Angebot, eine klare Zielgruppe und weißt, wie du Kunden gewinnst.

    Ziel? So weit klar: Jetzt möchtest du einfach mehr davon, also mehr Leads und damit mehr Verkäufe.

    Die zentrale Frage lautet für dich also in dieser Phase: Wie kann ich von dem, was bereits funktioniert, mehr machen?

    Das ist ein völlig legitimes Ziel und kann natürlich auch eine extrem spannende Phase sein.

    Problematisch wird es nur, wenn du Wachstum automatisch als die einzig sinnvolle Form von Weiterentwicklung betrachtest.

    Denn es gibt noch ziemlich viele andere Möglichkeiten.

    2. Die Profitphase: Mehr Gewinn statt mehr Umsatz

    Vielleicht hast du in den letzten Jahren ordentlich Umsatz aufgebaut.

    Aber irgendwann fällt dir auf, dass am Ende gar nicht so viel davon übrig bleibt, wie du eigentlich gerne hättest. Upsi…

    Du hast möglicherweise hohe Kosten, viel Team, komplexe Prozesse oder Angebote, die zwar Umsatz bringen, aber verhältnismäßig wenig Gewinn.

    Dann könnte deine nächste Phase eine Profitphase sein. Das Ziel? Wirtschaftlich erfolgreicher werden, ohne zwangsläufig mehr zu leisten.

    Vielleicht schaffst du es sogar, mit weniger Umsatz denselben oder einen höheren Gewinn zu erwirtschaften.

    Das ist übrigens etwas, was bei der ganzen Umsatz-Flexerei im Internet gerne untergeht: Nur weil jemand riesige Umsätze macht, bedeutet das noch lange nicht, dass entsprechend viel Geld übrig bleibt.

    Und vielleicht ist genau das die Kennzahl, die du in deiner nächsten Ära optimieren möchtest. Nämlich: Geld, das du dir auszahlen kannst.

    Denn nein, es bringt nichts, online cool flexen zu können, dass du 1.000.000 Umsatz gemacht hast, wenn dein Budget von Facebook-Werbeanzeigen 987.932 Euro davon aufgefressen hat.

    3. Die Simplifizierungsphase: Weniger, aber besser

    Oh, diese Phase… Ich glaube, hier werden sich einige wiedererkennen. 🤗

    Also, wo fangen wir an? Es gibt ein Muster, das ich bei Onlineunternehmern immer wieder beobachte. Es sieht so aus:

    Am Anfang weißt du noch nicht so richtig, wie das mit dem Verkaufen funktioniert. Dann lernst du es. Und plötzlich merkst du: Wow, ich kann ja tatsächlich mit verschiedenen Dingen Geld verdienen!

    Also machst du meeehr. Noch ein Angebot. Noch einen Kanal. Noch eine Kooperation. Noch eine neue Idee.

    Und ehe du dich versiehst, hast du ein Business, das hauptsächlich durch deine eigene Energie und Willenskraft zusammengehalten wird. Quasi durch “Muskelkraft”. Du merkst normalerweise, dass das Pensum “leicht ambitioniert” ist, aber du bist ja ein Macher-Typ, also rödelst du fröhlich weiter.

    Das funktioniert eine Weile.

    Aber häufig kommt irgendwann der Punkt, an dem alles zu viel wird.

    Die zentrale Frage in einer Simplifizierungsphase lautet deshalb: Was kann ich streichen, ohne den eigentlichen Kern meines Businesses zu verlieren?

    Nix mehr…! Sondern “weniger” lautet die Devise, vor allem, wenn du kurz vorm Burnout stehst. Also musst du wegstreichen. Weniger Angebote. Weniger Kanäle. Weniger Komplexität.

    Um dich zu trösten: Nein, du hast nicht deinen Spark und deine Ambition verloren. Du bist einfach nur einen “rite of passage” gegangen - das machen die meisten Leute - und musst jetzt zusehen, dass du ein Business aufbaust, das du auch langfristig weiterführen kannst.

    Ich spreche in diesem Zusammenhang gerne von meiner Wortkreation Dekaden-Dopamin.

    Die Idee dahinter: Nicht nur etwas aufzubauen, das dir heute Spaß macht oder kurzfristig Ergebnisse liefert. Sondern etwas, das du dir auch in zehn Jahren noch vorstellen kannst zu tun.

    Und das, lieber Leser, liebe Leserin dieses Artikels, ist gar nicht so einfach.

    4. Die Autoritätsphase: Zur offensichtlichen Wahl werden

    Die nächste Phase nenne ich gerne die Authority Phase. Klingt auf Englisch irgendwie cooler als Autoritätsphase. 😄

    Was meine ich damit? Hier geht es darum, dass dein Angebot und deine Zielgruppe eigentlich schon stehen. Wenn man cooler Startup-Mensch ist, schreibt man: “Ich habe product-market-fit!”

    Du musst also nicht zwangsläufig noch mehr Produkte entwickeln.

    Stattdessen investierst du gezielt in deine Positionierung, deine Reputation und deinen Expertenstatus.

    Die entscheidende Frage ist: Wie werde ich zur offensichtlichen Wahl für meine Zielgruppe? Der Nummer eins? Der Crème de la crème (das è musst du ä aussprechen, damit es richtig gut klingt) für meine potienziellen Kunden?

    Die Antwort kann beinhalten, dass du deine Positionierung noch einmal deutlich nachschärfen musst. Oder dass du gezielt in bestimmten Medien, Netzwerken oder bei relevanten Veranstaltungen sichtbar wirst. PR! Gastauftritte! Vielleicht sogar Fernsehen.

    Worin sich diese Phase von “einfachem Wachstum” (Phasentyp 1) unterscheidet: Es geht nicht nur darum, möglichst viele Menschen zu erreichen. Es geht um die Wahrnehmung bei den RICHTIGEN Menschen.

    Ich persönlich liebe diese Art von Strategiearbeit übrigens sehr. (Buch mich hier, wenn du das angehen willst. Das ist voll mein Ding.)

    Gerade dieses Zusammenspiel aus Positionierung, Packaging, Sichtbarkeit und der Frage, wie man Expertise nach außen kommuniziert, finde ich unfassbar spannend. Und habe ganz zufällig aus 10 Jahren Online-Unternehmertum, Positionierung für Kunden, Agenturarbeit und eigenem Expertenbusiness auch genau das Knowhow dazu.

    5. Die Asset-Aufbauphase: Heute etwas schaffen, das morgen noch Wert hat

    Assets für Experten-Creators sind eines meiner absoluten Lieblingsthemen. Hier kannst du das in Ruhe durchlesen, wenn dir das Thema neu ist. Aber, falls du keine Lust darauf hast, hier ganz vereinfacht gesagt:

    Du baust etwas auf, das langfristig einen Wert besitzt und nicht vollständig davon abhängt, dass du jeden Tag persönlich Arbeitsstunden hineinsteckst.

    Das können beispielsweise Bücher, eigene Intellectual Property (IP), digitale Produkte oder auch eine wertvolle E-Mail-Liste sein.

    Die zentrale Frage, wenn du dich in einer Asset-Aufbauphase befindest, lautet: Was kann ich heute aufbauen, das auch in fünf oder zehn Jahren noch einen Wert hat?

    Sehr spannende Phase! Auch in dieser Perspektive arbeite ich mit Beratungskunden liebend gerne daran, ihr Experten-Imperium zu planen und aufzubauen.

    Wichtig zu wissen ist allerdings, dass Asset-Aufbau häufig eine Investitionsphase ist.

    Das heißt: Du gibst eher mehr Geld aus als du kurzfristig mehr verdienst. Wenn du beispielsweise ein Buch schreibst, einen neuen Produktbereich aufbaust oder gezielt deine E-Mail-Liste vergrößerst, bringt dir das normalerweise nicht sofort mehr Gewinn.

    Im Gegenteil: Du investierst Zeit, Energie und eventuell auch ordentlich Geld. Und die Früchte kommen vielleicht erst Jahre später.

    Deshalb ist diese Phase nicht unbedingt mit dem Ziel vereinbar, kurzfristig deinen Gewinn maximal zu erhöhen.

    Das muss man sich leisten können - beziehungsweise strategisch bewusst einplanen und dir einen Runway bauen, damit dir nicht der Cashflow versiegt.

    6. Die Freiheitsphase: Vom Tag-und-Nachtjob zum Dayjob

    Jetzt kommen wir zu einer Phase, die bei fortgeschrittenen Onlineunternehmern meiner Beobachtung nach ebenfalls ziemlich häufig vorkommt.

    Und die man sich am Anfang seiner Selbstständigkeit oft überhaupt nicht vorstellen kann. 😄 Denn wenn du dein Business aufbaust, ist es normalerweise dein Baby.

    Du hast tausend Ideen, bist begeistert, arbeitest abends und am Wochenende und steckst einen riesigen Teil deiner Kreativität hinein.

    Was ja auch eine ziemlich coole Erfahrung sein kann. (Nichts schweißt dich und dein Business so sehr zusammen wie gemeinsam durchgearbeitete Nächte bei Rotwein und Pizza! Also, wenn du jung bist.)

    Aber irgendwann merken manche: Eigentlich möchte ich, dass mein Business einfach zuverlässig funktioniert - ohne dass sich mein komplettes Leben darum dreht.

    Vielleicht willst du wieder mehr Zeit für andere Interessen haben. Den besagten Keramikkurs machen. Die Schachmeisterschaft gewinnen. Was auch immer!

    Du möchtest nicht zwangsläufig weniger erfolgreich sein. Aber du möchtest einfach mehr Freiheit. Freedooooom!

    Was du dir nach den Jahren des harten Hustlen ja auch wahrlich verdient hast, oh wackerer Selbstständiger!

    Die entscheidende Frage für diese Phase lautet dann folgendermaßen: Wie muss mein Business funktionieren, damit ich wieder mehr Zeit und Flexibilität habe?

    Dafür brauchst du vielleicht ein anderes Geschäftsmodell. Oder mehr Delegation. Oder einfach … weniger Verpflichtungen.

    Oder eben die Kombi mit der Simplifizierungsphase, über die wir gerade gesprochen haben.

    Ich finde die Vorstellung total spannend, dass man sich irgendwann freiwillig ein etwas „langweiligeres“ Business wünscht. Eins, das zuverlässig die Rechnungen bezahlt, während du deine kreative Energie auch in andere Bereiche deines Lebens stecken kannst. Das zeugt auch von einer gewissen Reife als Selbstständige.

    7. Die Reinvention-Phase: Wenn du wirklich etwas Neues möchtest

    Und dann gibt es natürlich noch die Phase, die mich persönlich gerade besonders beschäftigt: Die Reinvention-Phase.

    (Hier shiny Einhörner, Regenbögen und Glitzerraketen vorstellen!)

    In einer Phase der kompletten Neuerfindung geht es nicht nur darum, ein bestehendes Business zu optimieren. Stattdessen wird es so richtig deep. Du fängst an, grundsätzliche Dinge auf den Prüfstand zu stellen.

    Nicht unbedingt den Sinn des Lebens, nein. Aber zumindest: Deine Themen. Deine Rolle. Deine Positionierung. Vielleicht sogar dein gesamtes Geschäftsmodell.

    Die Frage, wenn du merkst, dass sich eine “Reinvention Phase” anbahnt, lautet: Was möchte ich in meiner nächsten Business-Ära eigentlich machen - und was nicht mehr?

    Das kann eine super spannende Phase sein.

    Aber - und jetzt kommt es! - sie ist auch mit Risiken verbunden.

    Denn wenn du dich komplett neu positionierst, deine Zielgruppe veränderst oder ein anderes Geschäftsmodell aufbaust, funktioniert möglicherweise nicht mehr alles, was vorher zuverlässig Umsatz gebracht hat.

    Vielleicht kannst du deine bisherige E-Mail-Liste nicht mehr im gleichen Umfang nutzen. Womöglich brauchst du eine neue Website, ein anderes Branding und komplett neue Angebote. Und dann dauert es eventuell eine ganze Weile, bis sich das wirtschaftlich auszahlt.

    Deshalb ist die Reinvention-Phase etwas, das du finanziell gut vorbereiten solltest.

    Womit wir beim nächsten wichtigen Punkt wären…:

    Warum du nicht alles gleichzeitig optimieren kannst

    Jetzt könnte man natürlich sagen: Victoria, wie groovy, das klingt alles super!

    “Ich hätte gerne mehr Wachstum, mehr Gewinn, mehr Freiheit, eine stärkere Personal Brand und nebenbei noch ein paar Assets. Kann ich das bitte alles gleichzeitig haben?”

    Tja.

    Ähm…

    … nein.

    Oder sagen wir so: Schwierig! 😄

    Denn verschiedene strategische Ziele konkurrieren um dieselben Ressourcen.

    Wenn du beispielsweise gezielt in den Aufbau neuer Assets investierst, hast du möglicherweise kurzfristig weniger Gewinn.

    Wenn du stark wachsen möchtest, brauchst du vielleicht mehr Personal, höhere Investitionen und musst vorübergehend mehr arbeiten.

    Wenn du dein Business komplett neu erfindest, verzichtest du möglicherweise auf einen Teil deiner bisherigen finanziellen Sicherheit.

    Das bedeutet nicht, dass du nur ein einziges Ziel haben darfst.

    Aber du kannst nicht alles gleichzeitig zur obersten Priorität machen.

    (Ein Downer, ich weiß!!)

    Und genau hier liegt für mich einer der größten Vorteile, wenn du deine aktuelle Businessphase bewusst definierst: Du schaffst dir eine Entscheidungsgrundlage.

    Angenommen, du entscheidest, dass die nächsten zwölf Monate deine Simplifizierungsphase werden sollen.

    Dann bedeutet das ganz konkret: Du startest vielleicht erst einmal keine fünf neuen Angebote, obwohl du mindestens zehn großartige Ideen hast.

    Du prüfst jede neue Gelegenheit darauf, ob sie dein Business einfacher oder komplizierter macht. Und du sagst möglicherweise zu Projekten Nein, die wirtschaftlich attraktiv wären, aber deiner gewählten Strategie widersprechen. (Mon dieu!)

    Das ist meiner Meinung nach ein riesiger Unterschied.

    Denn du musst nicht jedes Mal wieder bei null anfangen und überlegen, ob du etwas machen solltest.

    Du weißt, in welche Richtung du gerade läufst.

    (Und - sehr wichtig, ich schreibe unten noch mal mehr zu den Risiken der “ich erfinde mich ganz neu Phase”, da habe ich nämlich ein paar Sachen beobachtet.)

    Wie findest du heraus, welche Phase die richtige für dich ist?

    Jetzt wäre es natürlich schön, wenn du dir einfach die Phase aussuchen könntest, auf die du am meisten Lust hast.

    Hey… Mir ist nach Marie Kondo. Lass mal simplifizieren! Am besten mit ganz viel Wachstum nebenher. Please?

    Aber ganz so funktioniert es leider nicht.

    (Noch ein Downer!)

    Du musst auch berücksichtigen, wo du momentan stehst und was du dir realistisch erlauben kannst.

    Dafür würde ich drei Dinge anschauen:

    1. Was sagt dein bisheriges Business?

    Das war übrigens das zentrale Thema von Teil 1 meiner Next-Era-Serie.

    Bevor du große Veränderungen planst, solltest du dir erst einmal anschauen, was du bereits aufgebaut hast.

    • Was funktioniert finanziell?

    • Welche Angebote laufen gut?

    • Mit welchen Kunden arbeitest du gerne?

    • Welche Tätigkeiten möchtest du behalten?

    • Und was belastet dich inzwischen nur noch?

    Das mühsam durchzukauen klingt vielleicht jetzt nicht wahnsinnig aufregend.

    Aber ich bin fest davon überzeugt, dass dein bisheriges Business dir häufig schon ziemlich deutlich zeigt, wo dein nächster sinnvoller Schritt liegen könnte. Im Prinzip … schreit es dich sogar oft regelrecht an!

    Du musst nur genau genug hinschauen. Oder zuhören.

    2. Was möchtest du persönlich?

    Hier wird es interessant.

    Denn gerade wenn du schon ein funktionierendes Business aufgebaut hast, darfst (diesmal: DARFST!) du dir eine Frage stellen, die am Anfang häufig noch gar keine Rolle spielt:

    Nicht nur: Womit kann ich Geld verdienen?

    Sondern: Womit möchte ich eigentlich Geld verdienen?

    Luxusproblem-Alarm! (Für dieses Problem würden andere Leute sehr viel geben. Also erstmal Congrats allein dafür!)

    Da du einen großen Teil deiner Business-Reise erfolgreich hinter dich gebracht hast - nämlich die Anfängerphase, kannst du dir jetzt deutlich kuscheligere Fragen als “Hilfe, wie bekomme ich mein Business ans Laufen?!” stellen.

    Zum Beispiel diese hier:

    • Wie soll dein Arbeitsalltag aussehen?

    • Möchtest du viele Calls oder möglichst wenige?

    • Willst du mit einer kleinen Anzahl von Kunden intensiv zusammenarbeiten oder lieber viele Menschen mit skalierbaren Angeboten erreichen?

    • Möchtest du ein Team führen?

    • Oder lieber alleine arbeiten?

    • Und welche Tätigkeiten machen dir überhaupt noch Spaß?

    Ich bin inzwischen sehr (sehr!!) davon überzeugt, dass man sein Geschäftsmodell stärker um die eigenen Stärken, Präferenzen und Persönlichkeit herum aufbauen sollte, sobald man weiß, wie der Hase läuft.

    Also … anstatt dauerhaft gegen sich selbst zu arbeiten.

    Versteh mich nicht falsch: Natürlich kannst du, und solltest du, an deinen Schwächen arbeiten. Und natürlich kann man sich weiterentwickeln. Manche Schwächen sind auch einfach dazu da, weg-ge-inner-worked oder weg-trainiert zu werden. Die kannst du nicht gebrauchen!

    Aber bestimmte “Schwächen”, die einfach nur die natürliche Kehrseite deines Persönlichkeitstyps sind, die … wirst du ohnehin nie loswerden, ohne auch an deinen Stärken zu kratzen.

    Von daher: Schwächen angehen - ja.

    Aber wenn dein Geschäftsmodell voraussetzt, dass du über Jahre hinweg jeden Tag auf eine Weise arbeitest, die überhaupt nicht zu dir passt, wird das irgendwann ziemlich anstrengend.

    Gerade langfristig ist das ein wichtiger Punkt. Wie oben schon geschrieben: Dauerhafte Kraftakte schaffst du nicht über Jahrzehnte. Jahre, ja. Aber irgendwann geht dir dann die Puste aus. Das solltest du vermeiden.

    Okay.

    Nächster Punkt, Nummer drei:

    3. Was kannst du dir momentan erlauben?

    Jetzt kommt der Teil, der gerne vergessen wird:

    Geld. 🤗

    Denn manche Businessphasen kosten erst einmal welches statt dass du mehr verdienst.

    Wenn du beispielsweise eine komplette Reinvention planst, brauchst du möglicherweise einen finanziellen Runway - also genügend finanzielle Reserven oder laufende Einnahmen, um die Übergangsphase zu finanzieren.

    Alles, was “neu” ist, zieht ja vor allem auch Kosten mit sich: Vielleicht musst du in ein neues Branding investieren. Oder deine Positionierung ist in die Jahre gekommen. Du musst neue Angebote entwickeln, die erst Monate später relevante Umsätze bringen. Und so weiter und so weiter …

    Das alles musst du berücksichtigen.

    Denn es bringt dir wenig, eine riesige strategische Veränderung anzustoßen, wenn du zwei Monate später unter dickem finanziellen Druck stehst und deshalb wieder alles über den Haufen werfen musst. Ein no, no.

    Manchmal ist der erste Schritt in deine neue Ära deshalb vor allem: VORBEREITUNG. Und kein panisches “Buuuh, ich mache den Laden dicht”-Weinen. (Aber no shame, diese Tage haben wir alle nach. Aber bei großen Entscheidungen am besten nicht aus solchen Emotionen heraus kurzfristig handeln.)

    Okay. Das hätten wir also geklärt.

    Jetzt kommt noch eine wichtige Aussage, die ich an dieser Stelle hervorheben möchte. Die lautet:

    Deine Businessphase muss nicht am 1. Januar anfangen

    Viele Unternehmer arbeiten gerne mit Jahreszielen oder geben ihrem Jahr sogar ein bestimmtes Motto.

    Finde ich grundsätzlich ziemlich knorke. (Wie cool ist es bitte, wenn man sagen kann: “2028 ist mein Jahr des Manifestierens"?!)

    ABER… jetzt kommt das Aber. Denn: strategische Businessphasen halten sich leider nicht besonders zuverlässig an den Kalender.

    Manche Veränderungen brauchen knackige sechs Monate - und andere eher anderthalb Jahre oder länger. Ja, wir alle lieben Jahresabschluss-Sprints, aber nur weil am 31. Dezember noch nicht alles abgeschlossen ist, bedeutet das nicht, dass du gescheitert bist.

    Gerade bei größeren strategischen Veränderungen braucht es manchmal einfach … Zeit.

    Das sage ich übrigens an dieser Stelle auch ausdrücklich zu mir selbst. Ich bin nämlich ein ziemlich ergebnisorientierter Mensch und hätte Dinge grundsätzlich lieber gestern als morgen erledigt.

    Aber manchmal mahlen die Mühlen bei Strategiearbeit eben etwas langsamer.

    Bevor du alles hinschmeißt: Vielleicht ist gar nicht dein Business das Problem

    Zum Schluss möchte ich noch eine Beobachtung teilen, die ich besonders wichtig finde.

    Ich habe inzwischen mit erstaunlich vielen Menschen gesprochen, die irgendwann völlig erschöpft von ihrem eigenen Business waren.

    So erschöpft, dass sie am liebsten alles geschlossen hätten. ALLES!!! (Richtig gegen die Wand werfen und so.)

    Und manchmal ist das natürlich die richtige Entscheidung. Ciao Kakao und Ende Gelände!

    Aber…

    (Es war klar, dass jetzt ein Aber kommt, findest du nicht?)

    ABER: Ziemlich häufig stellt sich später heraus, dass gar nicht das gesamte Business das Problem war.

    Sondern … die Art, wie es betrieben wurde. Oder du hattest einfach zu viele Angebote. Die Verpflichtungen mit deinen sieben Freelancern haben dich erdrückt. Du hättest das Thema am liebsten ganz anders angegangen und denkst, du fändest es insgesamt nicht mehr spannend. Oder womöglich sitzt du in einer Angebotskonstellation, die dir die letzte Energie raubt.

    Dann, wenn du einfach alles schließt, merken viele später: Moment mal… “Es gab echt viel, das ich doof fand. Aber das Grund-Business war gut!”

    Du hast es nur vor lauter Nachteilen gar nicht gemerkt, wie viele Vorteile und gute Aspekte es hatte.

    Du dachtest nur vollkommen aufgelöst: “Mööp, alles doof”.

    Wenn du in so einer Situation steckst, kannst du irgendwann kaum noch wahrnehmen, welche Aspekte deines Businesses eigentlich ziemlich großartig sind.

    Und das Gemeine ist: Oft merkt man das erst, wenn diese Dinge nicht mehr da sind. Deshalb würde ich immer empfehlen, erst einmal zu analysieren, bevor du radikale Entscheidungen triffst.

    Denn vielleicht brauchst du gar keine vollständige Reinvention, sondern du hast einfach gerade deine Simplifizierungsphase eingeläutet! Oder deine Freiheitsphase.

    Vielleicht musst du nur einige (wenige) Weichen anders stellen, damit dir dein Business wieder richtig viel Spaß macht.

    Und vor allem… musst du dich von dem Gedanken befreien, dass alles immer nur (umsatzmäßig) nach oben gehen muss und alles andere egal ist.

    Oder, anders formuliert: Deine nächste Business-Ära muss *nicht* größer werden als deine letzte.

    Sie muss vor allem: Besser zu dem passen, was du heute aufbauen möchtest.

    Und das kann natürlich bedeuten, dass du jetzt erst richtig Gas gibst!

    Vielleicht willst du deinen Expertenstatus massiv ausbauen, neue Assets schaffen oder dein Unternehmen so richtig “im Umsatz eskalieren lassen” (okay, mega Formulierung, dazu könnte ich jetzt ein Bro-Lamborghini-Video aufnehmen!)

    Oder du entscheidest dich bewusst dafür, dass es wirtschaftlich genauso erfolgreich bleibt, aber weniger Raum in deinem Leben einnimmt.

    Oder oder oder… Du bestimmst.

    Es gibt nicht die eine richtige Antwort für alle. Das wäre auch zu einfach (und außerdem hätte mein Podcast und meine Beratung keine Daseinsberechtigung!).

    Die richtige Antwort ist die, die zu dir, deinen Zielen und deiner aktuellen Situation passt.

    Puh. Okay.

    Das nenne ich mal einen langen Artikel.

    Aber … er ist noch nicht vorbei, denn ich möchte dir auch noch was Handfestes mit auf den Weg geben:

    Drei Fragen für deine nächste Business-Ära

    Falls du nach diesem Artikel direkt ein bisschen strategische Arbeit an deinem eigenen Business machen möchtest, habe ich drei Reflexionsfragen für dich:

    1. Welche der sieben Businessphasen würde deinem Business aktuell am meisten guttun - und warum?

    2. Was müsstest du in den nächsten sechs bis zwölf Monaten priorisieren und was bewusst zurückstellen?

    3. Welche Aspekte deines bestehenden Businesses möchtest du unbedingt in deine nächste Ära mitnehmen?

    Nimm dir ruhig ein bisschen Zeit dafür. (Ich empfehle bei allem, was Strategie-Arbeit ist, auch immer analoge Notizbücher und ein Ort, der nicht dein Schreibtisch oder dein Sofa ist).

    Gerade die dritte Frage finde ich besonders wichtig, weil sie unterschätzt ist. Man tendiert oft dazu, wegzurennen. (Also vor unangenehmen Sachen und Dingen, die dich nerven.)

    Aber häufig steckt in dem, was du bereits aufgebaut hast, sehr viel mehr Wert, als dir im Alltag bewusst ist.

    Gemeinsam deine nächste Business-Ära gestalten

    Wenn du merkst, dass du gerade selbst an einem solchen Übergangspunkt stehst und dein Business strategisch für die nächste Phase aufstellen möchtest, plane ich dazu gerade etwas Neues: Ein eng begleitetes Gruppenprogramm für fortgeschrittene Onlineunternehmer, Selbstständige und Experten.

    In einer kleinen Gruppe werden wir uns damit beschäftigen, was du aus deinem bisherigen Business mitnehmen möchtest, was sich verändern sollte und wie du daraus eine konkrete Strategie für deine nächste Ära entwickelst.

    Das wird zunächst eine Beta-Runde, für die ich eine Warteliste geöffnet habe:

    Hier kannst du dich unverbindlich auf die Warteliste setzen.

    Und falls du lieber zuhörst, statt zu lesen: Diesen Artikel gibt es auch als Folge des Creatorway Podcasts – Teil 2 meiner dreiteiligen Next-Era-Serie.

    Viel Spaß beim Planen deiner nächsten Ära!

    Victoria

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    Imposter-Syndrom im Business: Muss man sich Erfolg erst innerlich erlauben? (mit Anna Pietzka)